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Reisebericht Oktober 2019 Teil 6

Am Nachmittag nahm uns Annie mit ihrer Verwandtschaft noch zu einer kleinen „Afternoon-Tea-Party“ zu einer der größeren Teeplantagen. Das war sehr beeindruckend und noch dazu „very British“ – eben auch ein Teil Malawis. Der Senior-Chef ist mittlerweile schon ziemlich alt, aber in Malawi geboren und aufgewachsen, genauso wie seine eigenen Kinder und Enkel. Er spricht fließend die afrikanische Landessprache Chichewa. Einmal haben ihn Einheimische versucht zu entführen, um Lösegeld zu erpressen. Er ist aber wohl eine gestandene Persönlichkeit und hat mit den Entführern so lange in ihrer Muttersprache diskutiert, dass sie ihn einfach irgendwo wieder rausgelassen haben.

Annies Zukunftspläne sind der Umbau eines der drei Schweineställe zur Fleischerei und der Neubau ein eines Küchengebäude, wo die Mahlzeiten der Kinder zubereitet werden sollen. Bisher geschieht das in einer recht kleinen und einfachen Küche. Die Kinder essen morgens eine Art Haferbrei zum Frühstück und erhalten nach einem festen Plan mittags und abends den traditionellen Getreidebrei aus Maismehl, der in vielen afrikanischen Ländern Hauptbestandteil der Mahlzeiten ist und in Malawi „Nsima“ heißt. Zu dem Brei gibt es noch Fleisch und Gemüse. Das Ziel ist auch, dass die Kinder einmal pro Woche Fisch bekommen. Vormittags und nachmittags gibt es noch die „Snack-Time“, wo es Milch oder Obst gibt. Das Essen wird unter anderem auf dem lokalen Markt eingekauft.

Uns überraschte, dass Baumaßnahmen, wie die oben geplanten, mittlerweile ziemlich teuer sind. Annie erklärte uns, dass ein Sack Zement etwa 10€ kostet und dass bis auf die Ziegel alles andere importiert werden muss. Da der Staat aufgrund der wirtschaftlichen Lage nur wenig Geld über Steuern einnehmen kann, gibt es wahnsinnig hohe Importzölle.

Neben all diesen Plänen und Ideen, die Annie mit ihren 75 Jahren für die Zukunft hat, bleibt sie aber auch immer auf dem Boden der Tatsachen. Es gibt tagtäglich viel zu tun, um das Bestehende in Schuss zu halten und sie gab zu, dass sie viele Projekte hinten anstellen muss, weil es teilweise schwierig ist, die monatlichen Gehälter und Rechnungen zu bezahlen. Sie freut sich immer, wenn dann zusätzliche Spenden überraschend eintreffen. Trotzdem wäre es hilfreich mit mehr Einkommen pro Monat fest rechnen zu können.  Sie zahlt den Mitarbeitern einen landesüblichen Durchschnittslohn, würde aber gern die Gehälter erhöhen. Hier sind ihr momentan noch die Hände gebunden. Alle Mitarbeiter, die wir dort kennengelernt haben, geben ihr Bestes für das Wohl der Kids. Es ist kostbar zu sehen, dass es diesen Kindern gut geht.

Natürlich gab mir diese Reise auch wieder viel Zeit zum Reflektieren: Warum habe ich den Verein in Deutschland überhaupt gegründet?

Ich sehe, dass dieses Projekt sehr reibungslos läuft und die Kinder sich gut entwickeln. Ich sehe, dass sie bessere Chancen haben, als andere Kinder im Land – bzw. dass sie überhaupt eine Chance erhalten haben. Den Kindern ist das natürlich nicht immer bewusst. Aber welchem „normalen“ Kind ist bewusst, welches Privileg es hat, in Deutschland geboren worden zu sein, Eltern und eventuell auch Großeltern zu haben, genügend zu essen zu haben usw.?

Aller paar Monate fährt eine Gruppe der älteren Kinder für ein paar Tage in eines der ärmeren Dörfer und tut den Menschen dort Gutes: Sie helfen vor allem den älteren Bewohnern – holen Wasser, waschen die Wäsche, kochen, putzen – und verbringen Zeit mit den Jugendlichen vor Ort. Dort werden vielen Jugendlichen die Unterschiede zu Kondanani bewusst und häufig erhalten dann die Mitarbeiter auch das Feedback, dass die Kinder dankbar sind, für das, was Kondanani für sie tut und ihnen ermöglicht.

Ich war wieder sehr berührt von den Begegnungen mit den Kondanani-Kindern: egal ob ich mich mit einer Sechsjährigen über unsere Lieblingsfarben unterhalten habe oder mich mit einem älteren Mädchen lachend daran erinnert habe, wie das Projekt, bei dem ich ihr letztes Jahr geholfen habe, schief gegangen ist. Ich sehe, welches Potential in diesen Kindern steckt, wie ihnen beigebracht und vorgelebt wird, wie man dankbar und respektvoll ist, wie ihnen aber auch täglich gezeigt wird, dass sie liebenswert sind. Gleichzeitig muss ich dann auch daran denken, was gewesen wäre, wenn Kondanani nicht gegründet worden wäre, wenn Annie damals nicht die Notwendigkeit dafür gesehen hätte. Die Kinder machen Musik und Sport als Ausgleich zu einem intensiven Schultag. Ich habe auch Job, den tauben Jungen, von dem wir in anderen Blog-Einträgen berichtet haben, kennengelernt: Was für ein fröhlicher Junge! Kondanani bemüht sich, ihm eine effektive Einzelbetreuung zukommen zu lassen, sodass er das meiste für sich und seinen Umständen entsprechend mitnehmen kann.

Ich hoffe, dass euch unsere Erlebnisse einen kleinen Einblick ermöglichen, in diese andere Welt, die unserer manchmal so ähnlich und manchmal so fremd ist. Ich hoffe auch, dass noch mehr Menschen das Projekt unterstützen wollen – nicht weil wir als Verein davon profitieren würden (was wir natürlich nicht tun!), sondern weil alles den Kindern vor Ort zu Gute kommt.

Unsere nächste Aktion steht kurz vor der Tür: Wir wollen jedem Kondanani-Kind ein Weihnachtsgeschenk ermöglichen. Dazu mehr in Kürze in einem neuen Blog-Beitrag.

Außerdem denken wir darüber nach, einen Malawi- und Kondanani-Info-Abend zu organisieren, da es dazu viele Anfragen gab. Da nun in diesem Jahr schon vier Leute von uns dort waren, hätte man auch eine ganze Anzahl an Perspektiven und Erfahrungen mit dem Land und dem Projekt. Angedacht ist das für Anfang 2020. Den Termin würden wir rechtzeitig bekannt geben.

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