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Reisebericht Oktober 2019 Teil 5

Am Montagmorgen begann nach zwei Wochen Ferien für die Schüler das vierte Quartal. Deswegen gab es eine Schulversammlung, die dort „assembly“ genannt wurde. Bevor die Schüler die Halle betreten durften, standen sie klassenweise in einer Reihe davor. Fingernägel und Uniformen wurden kontrolliert. Einige wenige Schüler waren nicht so gut vorbereitet und mussten deshalb an der Seite mit einem Nagel-Klippser noch nachbessern bzw. ihre Schuluniform richten. Einige Schüler, die im vergangenen Quartal gute Leistungen erzielt oder ein vorbildliches Verhalten gezeigt hatten, wurden ausgezeichnet.

Zwei Schülern wurde dazu gratuliert, dass sie einen Abschluss erreicht hatten. Da hier mit Homeschooling-Materialien gearbeitet wird, ist es normal, dass die Schüler zu unterschiedlichen Zeiten, ihren Abschluss erreichen. Die Nationalhymne wurde gesungen und die engagierte Schulleiterin motivierte ihre Schüler bis zum Schuljahresende im Dezember ihr Bestes zu geben.

Für meinen Vater und mich stand an diesem Tag noch das Wurstprojekt auf der Agenda. Leider waren die kleinen Schweinchen nicht so schnell gewachsen, wie gedacht und deshalb wurden 8 Kilogramm Fleisch vom letzten Schwein aus der Tiefkühltruhe genommen. Zwei verschiedene Sorten Würstchen sollten am Ende herauskommen. Ich assistierte meinem Vater auf mehreren Ebenen und erweiterte meinen Englischwortschatz in einem Bereich, den ich vorher noch nicht so gebraucht hatte. Für meinen Vater war die Haushaltsküchenmaschine, die als Fleischwolf und als Füllmaschine gleichzeitig dienen sollte, eine kleine Herausforderung, da er zu Hause professionelle Maschinen gewohnt ist. Die vorhandenen Därme waren zum Befüllen zu klein. Deswegen wurde versucht, die Spritze mit allerlei Basteleien in der Werkstatt zu verkleinern. Außerdem versuchte Annie gleichzeitig größere Därme von einem befreundeten Wurstproduzenten zu besorgen. Dann war zwischendrin außerplanmäßig der Strom weg und was wahrscheinlich in zwei Stunden hätte getan werden können, dauerte dann den ganzen Tag. Abends wurde der Prototyp auf den Grill gelegt und von den Mitarbeitern probiert und gelobt. 19:30 Uhr waren dann alle Würste sicher in der Gefriertruhe verstaut und alles aufgeräumt. Dass wir bei 30 Grad im Schatten gearbeitet hatten, war nicht ganz ungefährlich. Man muss aber erst einmal irgendwo anfangen, um herauszufinden, wo die Hindernisse und Herausforderungen liegen, wenn man später mal etwas professioneller ein weiteres Einkommen für das Kinderdorf generieren möchte – in einem Land, wo fast alles importiert werden muss und man in vielerlei Hinsicht improvisieren muss.

An unserem letzten Tag kamen morgens drei Mitarbeiterinnen die Koffer mit den Sachspenden abholen. Ich war etwas geschockt, als sie die schweren Koffer auf den Kopf hievten und sie dann einmal quer über das Gelände bugsierten. Der Alltag bringt für die Mitarbeiter vor Ort sehr viel Arbeit, deswegen waren sie sehr dankbar, dass sie die Sachen in den Koffern behalten und Stück für Stück die Inhalte sortieren können, wie sie gerade Zeit haben. Ein Dankeschön nochmal an alle Kofferspender!

Am Vormittag erhielten wir eine große Tour durch das gesamte Gelände. Ich kannte das meiste schon, ging aber mit, um das eine oder andere zu übersetzen bzw. weil sich bei solchen Gelegenheiten auch immer wieder neue Fragen auftun.

Mein Vater wurde bei dieser Tour mit dem Kondanani-Virus infiziert. Wir mussten hinterher feststellen, dass man mit Bildern oder Worten eigentlich nur bedingt Kondanani beschreiben kann. Er war begeistert wie großzügig und durchdacht das ganze Gelände geplant und bebaut wurde. Das Krankenhaus ist gebäudetechnisch fertig und soll im Februar eröffnet werden.  Ich war sehr beeindruckt, wie sich das Gebäude in den letzten 1,5 Jahren gewandelt hat. Es ist für afrikanische Verhältnisse eine richtige Perle, wo sich die kranken Kinder wieder erholen werden können. Ab Februar ist für sechs Monate eine ambulante Klinik geplant, damit man Stück für Stück einschätzen kann, was benötigt wird – an Material, Medikamenten, Einrichtung und Personal. Ein sogenannter „Clinical Officer“, also Krankenhausleiter, ist bereits gefunden. Allerdings werden noch Finanzen für Medikamente benötigt.

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