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Reisebericht Oktober 2019 Teil 4

Als wir endlich bei Kondanani ankamen, was auf 1200m Höhe etwas außerhalb von Blantyre liegt, wurden wir sehr herzlich von Annie begrüßt. Sie hatte für uns einen kleinen Willkommensabend in einem chinesischen Restaurant organisiert, deren Besitzer sie schon sehr lange kennt. Gemeinsam mit einigen anderen Mitarbeitern machten wir uns um Punkt 18:30 Uhr auf dem Weg in die Stadt. Mit seiner Pünktlichkeit steht Kondanani im Kontrast zum Rest des Landes. Auf dem Weg zum Restaurant mussten wir durch eine hoffnungslos verstopfte Hauptstraße. In Malawi gibt es keine Taxis, sondern Minibusse, die alles und jeden mitnehmen und meist sehr vollgestopft sind. Abends kommen viele der Minibusse aus dem Umland zurück und verstopfen das Stadtzentrum. Unsere Fahrerin kurbelte nach einer Weile entschlossen das Fenster runter und fragte den Autofahrer neben uns, ob er uns reinlassen würde. Das war für ihn gar kein Problem. Das erstaunte mich schon. Wo in Deutschland zuckt ein anderer im Stau stehender Autofahrer mit den Schultern und lässt das Auto mit Ausländern einfach rein?

Beim Essen hatten wir die Chance unsere Eindrücke und Erlebnisse von Malawi mit Annie zu teilen und zu diskutieren. Sie konnte uns auch einige Fragen beantworten. Wir erfuhren, dass Alkohol auch in Malawi ein sehr großes Problem ist. Nachts kann man betrunkene Erwachsene und auch Jugendliche am Straßenrand liegen sehen. Es gibt keine Notrufnummern, da es auch keine Rettungswagen gibt. Wenn man einen Unfall hat, dann fährt man zur nächsten Polizeiwache und fährt mit einem Polizisten zurück zum Unfallort. Grundsätzlich zeigt aber die Polizei wohl bei Nacht weniger Präsenz als tagsüber. Annie hatte die örtliche Polizei schon mehrfach darüber informiert, dass Betrunkene am Straßenrand auf dem Weg zu Kondanani liegen. Doch Konsequenzen gab es keine.

Daneben stellt die Korruption auch ein großes Problem dar. Malawi steht nach Annies subjektiver Einschätzung wirtschaftlich schlechter da als vor 10 Jahren. Der Restaurantbesitzer, der sich zu uns gesetzt hatte, bestätigte Annies Einschätzung. Er lebt mittlerweile auch schon 20 Jahre in Blantyre und ist amerikanisch-mexikanischer Herkunft. Er meinte, dass er einfach keine guten und zuverlässigen Mitarbeiter finden kann, da die meisten ihn entweder betrügen oder zu wenig geeignet sind: Es gibt sprachliche Barrieren, weil das Englisch vieler junger Malawier nicht einmal ausreicht einem Gast Getränke und Essen zu servieren. Es mangelt vielen jungen Menschen auch an gesundem Selbstbewusstsein (statt Selbstüberschätzung) und Selbständigkeit.

An unserem zweiten Tag bei Kondanani – einem Sonntag – gab es morgens keinen Strom. Es gibt täglich eine 6-stündige Abschaltung und dafür einen landesweiten Plan. Das Wasserkraftwerk produziert aufgrund der Trockenzeit zu wenig Strom, um das ganze Land mit Strom versorgen zu können. Deswegen werden einige Regionen immer abgeschaltet – immer wieder auch außerhalb der geplanten Zeiten. Das letzte Mal hatte ich das auch schon erlebt, obwohl ich da in der Regenzeit vor Ort war. Zwischendurch hatte sich die Situation mal wieder etwas entspannt, aber dauerhaft hat sich wohl nicht viel verändert. Einige Häuser im Kinderdorf haben Solarstrom, meine Unterkunft hatte noch keine Solarplatte auf dem Dach, sodass mir die Chefin persönlich heißes Wasser in einer Thermoskanne vorbeibrachte, sodass wir wenigstens eine Tasse Tee zum Frühstück trinken konnten.

Da der Sonntag bei Kondanani ein freier Tag ist und Annie zusätzlich noch Verwandtschaft aus den Niederlanden zu Gast hatte, nahm sie uns mit auf einen Ausflug, der uns vom Hochland runter in die Region führte, die im Frühjahr sehr stark von den beiden Zyklonen betroffen war. Ganze Dörfer hatte es einfach weggespült und zahlreiche Menschen waren gestorben. Nun wurden dort mit Entwicklungshilfegeldern neue Häusschen gebaut. Es war schön zu sehen, dass Entwicklungshilfegelder auch ankommen und sinnvoll eingesetzt werden. Gleichzeitig sieht man aber, dass die Menschen mit ihrem einfachen Leben an und unter der Armutsgrenze allem hilflos ausgesetzt sind. Da ihre Ernten ausgefallen sind, sind sie immer noch auf Hilfslieferungen angewiesen. Sie sind zwar ein relativ zufriedenes Völkchen, aber nur solange sie sich über Wasser halten können.

Wir verbrachten den Vormittag in einer Lodge, die von einer Österreicherin geführt wurde und aßen Schnitzel zum Mittag. Da wir uns nun nur noch 100m über dem Meeresspiegel befanden, war es wesentlich heißer als in Blantyre. Nur eine stetige Brise machte die 44 Grad erträglich.

Cherie, die Assistentin von Annie, erzählte uns, dass jetzt, wo die jüngsten Kinder 5 Jahre alt und die ersten Kinder an der Uni sind, immer wieder neue Herausforderungen und Veränderungen da sind. Sie haben als Vorbereitung auf das spätere Leben eingeführt, dass alle Kinder ab 17 Jahren ein kleines Taschengeld erhalten und sich auch kleine Sachen davon kaufen dürfen. Für die Uni erhalten die großen ein Mittagsgeld und ein Büchergeld. Sie müssen so erstmal im Kleinen darüber nachdenken, welches Mittagsangebot sie beispielsweise wählen und was sie sich von ihrem Geld kaufen.

Mich interessierte auch noch die Rolle der Verwandtschaft im Leben der Kinder. Viele haben ja noch einen Onkel oder eine Tante, die sich manchmal auch ganz plötzlich melden, wenn sie merken, dass das Kind bei Kondanani eine gute Bildung und die Möglichkeit erhält eine Berufsausbildung oder ein Studium zu absolvieren. Auf der einen Seite ist die Verwandtschaft wichtig für die Identität des Kindes. Auf der anderen Seite müssen die Mitarbeiter von Kondanani auch immer wieder den Kontakt zum Schutz der Kinder einschränken, da manche auch gern die Hand aufhalten und die Möglichkeit besteht, dass ein Kind dadurch unter Druck gesetzt wird.

Am Sonntagnachmittag ging es trotz der heißen Temperaturen zu einer kleinen Safari in das Majete Wildlife Reserve. Wir begegneten diversen Antilopenarten, deren Namen ich zwar mittlerweile kenne, die ich aber leider immer noch nicht so richtig zuordnen kann. Zahlreiche Warzenschweine, eine Giraffe und zwei Elefanten liefen uns auch noch über den Weg. Prinz Harry war vor kurzem auch hier gewesen und hatte in einer der sehr noblen Lodges im Nationalpark übernachtet.

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