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Reisebericht Oktober 2019 Teil 3

Am nächsten Tag unternahmen wir einen Ausflug zum Cape Maclear, einer anderen, sehr großen Bucht. Dort gibt sehr viele Cottages und Lodges, da es ein sehr beliebtes Urlaubsziel ist. Es gibt einen sehr langen Strand, unzählige Boote und viele Einheimische, die Bootstouren und handgefertigte Souvenirs anbieten. Die Preise kann man wieder verhandeln und mein Vater zeigte sich darin sehr erfolgreich. Es ist allerdings kein überfülltes Urlaubsresort und dementsprechend wirkt es sehr entspannt und friedlich.

Wir kauften dort ein paar Mitbringsel und bewunderten die verschiedenen Schnitzereien und handgefertigten Andenken. An einem Stand wurden geschnitzte Logos von großen und bekannten Fußball-Vereinen angeboten.

Der Verkäufer wollte uns unbedingt etwas verkaufen und aus Spaß fragte mein Vater, ob er denn auch das Logo von Dynamo Dresden hätte. Ganz in Verkäuferstimmung verneinte er, bot uns aber gleich an, dass er es uns schnitzen würde, wenn er eine Vorlage hätte. Dazu holte er seinen Kumpel, der mit seinem Handy das Logo googelte. Unser malawischer Freund schaute es sich kurz mit kritischer Miene an und meinte dann, dass er es uns für 15.000 Kwacha (ca. 18,50€) noch am gleichen Tag fertig machen würde. Wir vereinbarten, dass wir drei Stunden später wieder vorbeischauen würden und suchten uns dann eine Lodge, wo wir etwas zum Mittag gegessen haben und einen wunderschönen Blick auf den tiefblauen See genossen.

Nach besagter Zeit machten wir uns mit gemischten Gefühlen wieder auf den Weg zu unserem Fußball-Freund. Wir waren uns nicht sicher, ob er uns nur einen Bären aufgebunden hatte. Als wir ankamen schaute er uns sichtlich erleichtert an: Er hatte seine Zweifel gehabt, ob wir nochmal wiederkommen würden. Er war sichtlich stolz, als er uns sein Ergebnis präsentierte. Wir waren sehr beeindruckt und er freute sich über unsere Bewunderung. Wir bereuten es nicht, dass wir nicht mit ihm den Preis runtergehandelt hatten, denn er hatte sich diesen Bonus tatsächlich verdient und fühlte sich geehrt, als wir ihn noch um ein Foto baten.

Der Inhaber unserer Lodge in der Monkey Bay stammt ursprünglich aus Kapstadt, lebt aber schon viele Jahre in Malawi und konnte uns viele wunderbare Geschichten erzählen. Beim Abendessen erzählte er uns, dass in den 70er Jahren aus dem Nichts ein Nilpferd in der Bucht aufgetaucht ist. Es nistete sich dort ein und kam des Öfteren nachts auch heraus an den Strand. Eine Truppe englischer Soldaten war damals noch dort stationiert und begann – wahrscheinlich aus Langeweile – das Tier zu zähmen, was dazu führte, dass das Hippo auch bereitwillig beim „Kohlwerfen“ mitmachte. Es lag mit geöffnetem Maul auf dem Bauch und die Engländer warfen Kohl mit dem Ziel, das geöffnete Maul zu treffen. Wie erfolgreich das für das Hippo war, kann nicht mehr gesagt werden. Auf jeden Fall muss es so zahm gewesen sein, dass man wohl auch Kinder auf seinen Rücken setzen konnte und es sich nicht daran störte. Eines Tages musste es aus irgendwelchen Gründen zu einem Tierarzt. Als es kurz darauf im noch sedierten Zustand zurückkam, ging es benommen ins Wasser und ertrank! Nilpferde leben nämlich in seichten Gewässern, wie ich an diesem Abend lernte…

In der Lodge gab es auch die Möglichkeit, in dauerhaft aufgestellten Zelten zu übernachten, was eine Familie während unseres Aufenthalts auch in Anspruch nahm. Eines Abends kam eines der Familienmitglieder mit einem abgedeckten Glas vom Zeltplatz zurück: Er hatte einen Mini-Skorpion im Zelt gefunden und gefangen. Nicht nur die Mücken oder Mini-Skorpione sind in Malawi gefährlich, sondern auch die Schlangen und giftigen Spinnen, die es überall gibt. Das ist nichts für schwache Europäer-Herzen.

Egal, wo man in Malawi morgens aufwacht: Man hört immer das Geräusch eines Reisigbesens, der den roten afrikanischen Sand- oder Lehmboden von Blättern und Ästen befreit. Immer wieder sind wir an Dörfern vorbeigefahren, wo nichts gepflastert oder geteert war, aber trotzdem alles picobello aussah. Die meisten Lodges bemühen sich auch um schöne Gärten, um welche sich ab morgens 7:00 schon die hauseignen Gärtner kümmern. Grundsätzlich ist der Tagesrhythmus etwas anders als in anderen Teilen der Welt: Man geht relativ zeitig zu Bett, da es gegen 18:00 schon dunkel ist und man nicht all zu viele Optionen für abends hat, besonders wenn der Strom und das Internet weg sind. Da es morgens 5:00 schon hell ist, ist es normal, dass man zeitig aufsteht. Es ergibt auch Sinn, da es um diese Uhrzeit noch nicht so heiß ist.

Auch wenn es viele Unterkünfte für Touristen gibt, so ist die Infrastruktur weder touristen- noch unternehmerfreundlich. Der Inhaber unserer Lodge am Malawisee muss zum Einkaufen zwei Stunden bis in die Hauptstadt Lilongwe fahren, damit er seine Gäste versorgen kann.

Auch für die arme Dorfbevölkerung ist das Leben sehr einfach gestrickt. Da die meisten mit Holz oder Holzkohle kochen, muss das Holz gesammelt bzw. die Holzkohle gekauft und transportiert werden. Das Problem der Entholzung hatte ich bereits in einem anderen Blogeintrag erwähnt. Wasser zum Kochen und Waschen muss von den Brunnen geholt werden. Nahrung wird auf den kleinen Märkten gekauft. Am Straßenrand sieht man immer Menschen, die laufen – teilweise auch sehr lange Strecken, wenn man die Abstände zwischen den einzelnen Dörfern bedenkt.

Zu diesem Bild steht dann das moderne Burger-Restaurant in Blantyre in vollem Kontrast. Wir waren verwirrt und erstaunt, dass es voll mit Einheimischen war, die offensichtlich für eine Pizza 10€ zahlen können. Natürlich zählen zu den Einheimischen nicht nur Afrikaner, sondern auch eine große indisch-stämmige Bevölkerungsgruppe. Trotzdem wirkt es skurril und unwirklich, die Preise und das moderne Ambiente des Großstadt-Restaurants zu sehen, wenn man gerade durch die Dörfer gefahren ist, mit den Frauen am Straßenrand, die ein paar Tomaten und Kartoffeln anbieten. Doch diese Welten liegen in Malawi nebeneinander, auch wenn die wohlhabenden Malawier einen sehr geringen Prozentsatz der Gesamtbevölkerung ausmachen.

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