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Reisebericht Oktober 2019 Teil 2

Am Nachmittag des zweiten Tags kamen wir in Liwonde an, von wo aus man in einen Nationalpark fahren kann. Leider war es an dem Tag schon zu spät und so suchten wir uns ein schönes Café mit Blick auf den Shire-River und beobachteten ein Fischerboot, was direkt neben einer gut sichtbaren Hippo-Familie seine Netze auswarf und hinter sich herzog. Später erzählte uns Annie, die Chefin bei Kondanani, dass solche Leichtsinnigkeit an der Tagesordnung ist und regelmäßig Menschenleben kostet.

Hinter unserer Unterkunft in Liwonde verliefen Gleise, auf denen in regelmäßigen Abständen Züge sehr langsam und laut hupend vorbeifuhren. Es waren eher ältere Modelle und vorrangig Güterzüge. Da die Gleisanalagen und -übergänge in keiner Weise gesichert sind, fängt der Zug schon Kilometer vor dem Ortseingang an zu hupen. Hinter unserer Unterkunft gab es dann einen Haltepunkt, bei dem der ein oder andere Zug mit Personenwaggons auch zum Halten kam. Allerdings kann man bei der Geschwindigkeit der Züge auch fast schon nebenher laufen. Bei dem Lärm nachts nicht ständig wach zu werden, war auch etwas schwierig.

Da sich über Nacht ein paar Magenprobleme eingestellt hatten, beschlossen wir, die Tour durch den Nationalpark auf ein anderes Mal zu vertagen und fuhren nach einem Besuch in der örtlichen Apotheke direkt weiter nach Monkey Bay am Malawisee. Liwonde war die letzte größere Stadt bevor wir dann durch recht dünn besiedeltes Gebiet fuhren.

Wir sahen jede Menge riesiger Affenbrotbäume, viele ausgetrocknete Flüsse, Ziegen und Schafe, die frei herumliefen und gern auch ohne Vorankündigung die Straße überquerten und sehr viele Fahrradfahrer auf der Straße. Häufig sind die Fahrräder so umgebaut, dass zwei Leute darauf sitzen können. Es wird aber auch alles, was man sich nur vorstellen kann, auf einem Fahrrad transportiert: lebende Tiere, riesige Säcke mit Holzkohle, Wasserkanister usw.

Entgegen unserer westlichen Vorstellungen gibt es in Malawi keine Lehmhütten sondern Ziegelgebäude. Die Ziegel werden aus der überall vorhandenen roten Erde selbst produziert und für Gebäude und Mauern genutzt. Das meiste wird von Hand gemacht – beispielsweise auch die Verlegung eines neuen Glasfaserkabels. Über Kilometer konnten wir folgendes Szenario beobachten: Unzählige junge Männer waren bei 30 Grad im Schatten damit beschäftigt entweder den Boden aufzuhacken und einen mit Kreide vorgezeichneten Graben zu errichten oder das Kabel zu zehnt den Graben entlang zu tragen. Dabei haben die meisten Häuser nicht einmal fließendes Wasser. Überall sieht man Frauen, die ihre Schüsseln oder Eimer mit Wasser füllen und in der Hand oder auf dem Kopf nach Hause transportieren. Gleichzeitig war der Kontrast, dass in Deutschland ein Mann mit einer einzigen Maschine die gleiche Arbeit schafft, wie dort etwa 200-300 junge Männer mit Hacken für uns etwas schwer verdaulich. Als wir Annie später davon erzählten, meinte sie, dass sie es gut findet, dass diesen Männern die Möglichkeit gegeben wurde, zu arbeiten. Wenn sie solche Arbeiten verrichten, können sie zumindest etwas Geld verdienen und ihre Familie mit dem Allernötigsten versorgen. Deshalb gibt es beispielweise auch ein staatliches Abkommen mit den Teeplantagen: Es ist ihnen verboten mit Maschinen zu ernten, damit den Menschen ein Arbeitsplatz gegeben wird. Ist das zukunftsgerichtetes Denken? Nein, aber trotz kostenloser staatlicher Schulbildung im ganzen Land sind die meisten Menschen ungebildet. Es mangelt an Qualität.

Auch wenn das Leben der Mehrheit der Malawier vieler Bequemlichkeiten entbehrt, die für uns selbstverständlich zum Leben dazugehören, begegneten uns dort keine jammernden und grimmigen Menschen – ganz im Gegenteil: Wir waren sehr angetan von der Freundlichkeit, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen. Ganz anders als in vielen Teilen von Südafrika kann man mit einem Gefühl von Sicherheit durch das kleine Land fahren. In anderen afrikanischen Ländern haben wir es schon erlebt, dass man als Weißer plötzlich von einer Traube von bettelnden Kindern umringt ist. Auch wenn es einzelne Situationen gab, wo Menschen die Hand aufgehalten haben, so waren dies Ausnahmen. Eine clevere Strategie hatten einige Jungen, die wir am Malawi-See trafen: Nacheinander kamen drei verschiedene Jungen zu uns mit einem Zettel, auf dem stand, dass sie zu einer Fußballmannschaft gehörten, die gern zum einem Spiel nach XY fahren möchte. Sie baten um Spenden für die Fahrtkosten. Am Anfang schien das noch plausibel, allerdings hatte jeder Junge einen anderen Ort auf dem Zettel stehen. Den dritten fragte ich dann, wie viele Fußballmannschaften der kleine Ort denn habe, da er schon der dritte Junge mit dem Zettel sei. Er gab zur Antwort, dass es tatsächlich angeblich drei Jugendfußballmannschaften gäbe. Die Frage, warum er denn eigentlich nicht in der Schule sei, hat er mir dann nicht mehr plausibel beantworten können.

Unsere Unterkunft am Malawi-See lag an der sogenannten „Affen-Bucht“ (Monkey Bay), direkt neben einer Militärbasis, wo nachmittags laut singend eine Truppe junger Rekruten entlangjoggte. Ich war sehr beeindruckt von der guten Gesangsqualität und fand es sehr unterhaltsam die Gruppe dabei zu beobachten, wie sie am Strand Liegestütze, Sit-Ups, Kniebeuge und andere Übungen, die wir aus dem Sportunterricht noch kennen, machen mussten. Sie waren aber nicht die einzigen Nutzer des Strands: zahlreiche Ziegen und Affen liefen auch frei herum. Unsere Unterkunft war von Mango-Bäumen umgeben und da die Mangos fast reif waren, waren sie ein beliebtes Ziel der Affen. Wenn man abends oder morgens im Bett lag, jagten die Affen über das Dach, sprangen an den Ästen hoch und man hörte es regelmäßig krachen, weil entweder die Äste, Mangos oder die Affen selbst auf das Dach fielen. Es kam auch hin und wieder vor, dass die Affen nochmal die Rangordnung klären wollten und dabei kreischten und fauchten. Neben diesen unterhaltsamen Aspekten war die Lodge mit traumhafter Sicht direkt am Strand gelegen und perfekt zum Ausspannen geeignet.

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