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Reisebericht Oktober 2019 Teil 1

„Wie war es in Malawi? Was habt ihr erlebt?“ – Das werde ich gerade von allen Seiten gefragt und ich freue mich sehr über das große Interesse. Hier will ich euch nun an unseren Erlebnissen und Eindrücken teilhaben lassen. Die ersten paar Tage haben wir genutzt, um Land und Leute besser kennenzulernen. Danach waren wir noch einige Tage bei Kondanani.

Der Hinflug war schon Teil des Abenteuers, denn in Addis Abeba warteten wir gemeinsam mit drei Fußballnationalmannschaften auf unsere Anschlussflüge: Die Fußballer aus Südafrika (Bafana Bafana!), Tanzania und Süd-Sudan waren in ihrer jeweiligen Sportkleidung gut zu erkennen, flogen aber im Linienflieger genauso Economy-Class wie alle anderen. Leider in eine andere Richtung als wir.

Von Addis sind wir über eine Stunde später losgeflogen als geplant. Nach unserer Ankunft in Lilongwe gab es kleine Kommunikationsprobleme: Eine Mitarbeiterin sagte, dass wir unser Gepäck abholen und nochmal neu aufgeben müssten, wenn wir weiter nach Blantyre fliegen wollen. Eine andere schickte uns zurück in den Bus, welcher uns zu einem anderen Gebäude brachte, und führte uns dann durch den halben Flughafen, durch eine Sicherheitsschleuse zu einem Warteraum, von wo aus wir nach einiger Zeit des Wartens zur Propellermaschine, die uns nach Blantyre fliegen sollte, gebracht wurden. Das Gepäck wird in Lilongwe übrigens mit Traktoren transportiert:

Alle Passagiere saßen dann angeschnallt 45 Minuten bei geöffneten Türen da und wunderten sich, warum es nicht losgeht. Kurz darauf landete eine andere Maschine von Malawian Airlines neben uns und die Flugbegleiter der anderen Maschine wechselten zu uns. Dann ging es mit dem vollbesetzten Flugzeug endlich los.

In Blantyre hatten wir uns von einem Holländer, der dort auch mehrere soziale Projekte leitet, ein Auto geliehen. Sein Mitarbeiter, Clement, wartete am Flughafenausgang auf uns mit einem Schild, auf dem stand: „Sarah from Germany“. Ich fühlte mich gleich angesprochen. Er hatte das Auto zum Flughafen gebracht und da die Navigation mit Handy noch nicht so funktionierte, wie geplant, bot er uns an, uns mit seinem Auto den Weg zu lotsen. Das hat uns enorm geholfen, da mein Vater auch noch nie vorher auf der linken Seite gefahren ist. Die Straßen waren zu der Zeit schon sehr voll – nicht von Autos unbedingt, sondern von Fußgängern, Rad- und Motorradfahrern. An den Straßenrändern wird immer etwas verkauft und kurz vor Einbruch der Dunkelheit sind in Malawi immer viele Leute auf der Straße. Beim Abendbrot im Restaurant der ersten Unterkunft saß neben uns ein malawisches Pärchen, was den malawischen Muttertag feierte: in Malawi immer der 15. Oktober und nationaler Feiertag. Beide hatten einige Zeit im Ausland gelebt – die Frau sogar mal drei Monate in Saarbrücken – und dadurch hatten beide auch eine sehr differenzierte Sichtweise auf das Land.

Am nächsten Morgen suchten wir nach dem Frühstück als erstes den mir vom letzten Mal schon bekannten Handy-Laden auf. Erst standen wir in Schlange 1, dann sagte uns jemand, dass wir uns an einem anderen Schalter anstellen müssten, wenn wir eine SIM-Karte kaufen wollen. Es brauchte alles viel Zeit und wie am Flughafen schon, passten die Schilder über den Schaltern nicht zu dem eigentlichen Anliegen oder Bearbeiter. Als wir endlich die SIM-Karte hatten, mussten wir uns in eine andere Schlange stellen, um Guthaben für die Karte zu kaufen. Es schien so, als würde alles funktionieren, als wir das Geschäft nach einiger Zeit wieder verließen und in einem der wenigen Supermärkte ein paar Kleinigkeiten einkaufen wollten. Dort hingen schon Massen an Weihnachtsdekoration.

Wir kauften ein paar Getränke und mein Vater inspizierte schon mal die Wurst- und Fleischabteilung, um einen Eindruck zu bekommen, was hier so gekauft wird – selbstverständlich von der kleinen Mittel- und Oberschicht, die es sich überhaupt leisten kann, in einem Supermarkt einzukaufen, wo die meisten Produkte aus dem Ausland importiert wurden und dementsprechend verhältnismäßig teuer sind. Übrigens: Die billigste Sorte Spaghetti war „made in Latvia“ – aus Lettland importiert.

Da wir nach unserem Einkauf feststellten, dass das Internet auf dem Handy, was wir zur Navigation und Kommunikation brauchten, immer noch nicht ging, begaben wir uns nochmal in den Handy-Shop und fanden dort diesmal etwas schneller Hilfe. Von Hand wurden irgendwelche Daten in das Handy eingegeben und dann funktionierte alles.

Malawi begegnete uns schon am ersten Tag als Land der Gegensätze: Das Einkaufszentrum kam ziemlich nah an unseren Standard heran, doch dazu standen im großen Kontrast die Straßenstände, die auf dem staubigen Boden Kleidung (wahrscheinlich Second Hand aus westlichen Ländern), Tomaten, Mangos, Kartoffeln, lebende Hühner und Ziegenfleisch anboten. Dort handelt man den Preis aus und muss sich mit mehreren Anbietern auseinandersetzen, von denen man plötzlich umringt ist und die einem alle natürlich etwas Besseres anbieten wollen.

Auf unserer Reise in Richtung Norden mussten wir durch zahlreiche Straßensperren fahren. Dort wurden wir von den häufig sehr freundlichen Polizisten gefragt, wo wir herkommen und wo wir hinfahren. Meist war aber auch eine Straßenseite passierbar und wenn die Polizisten keine Lust hatten aufzustehen, konnte man auch einfach durchfahren. Einmal wurden wir auf offener Straße angehalten. Es war eine durch Fördermittel neu gebaute Straße und vor uns tauchte plötzlich ein nagelneues Polizeiauto auf, was wahrscheinlich mit der neuen Straße dazugeliefert wurde. Einer der Polizisten bediente ein Lasergerät, was erfasst hatte, dass wir zu schnell gefahren waren. Als wir das Fenster runtergelassen hatten, begann ein sehr netter und gutgelaunter Polizist ein Gespräch mit uns, fragte uns, wie es uns geht und wie das Leben in Deutschland so ist. Nebenbei erwähnte er, dass wir leider ein kleines bisschen zu schnell gefahren waren und deshalb 10.000 Kwacha, umgerechnet ca. 12€, bezahlen müssten. Das Erlebnis, in solch einer Situation mal einem ganz entspannten Polizisten zu begegnen, war so stark, dass es uns auch nicht störte, als wir später erfuhren, dass wir aufgrund unserer Hautfarbe doppelt so viel bezahlen mussten, wie die Einheimischen. Ich meine, mal ganz ehrlich: Wie viel hätten wir denn in Deutschland bezahlt, wenn wir zu schnell gefahren wären? Letztendlich ist doch solch ein Bußgeld auch wieder eine Art Entwicklungshilfe. Wir haben sogar eine offizielle, handgeschriebene Quittung erhalten.

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