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Teenager-Schwangerschaften, Kinder-Ehen und andere Praktiken Teil 1

Während in Deutschland Frauen mittlerweile rund 30 Jahre alt sind, wenn sie das erste Mal ein Kind zur Welt bringen, ist in Malawi – wie in vielen anderen afrikanischen Ländern – genau das Gegenteil der Fall. Aktuelle Studien geben uns einen Einblick in das Leben der Menschen außerhalb von Kondanani.

In diesem Blog-Eintrag soll es zunächst um einen Einblick in eine ländliche Region im südlichen Malawi gehen, während im zweiten Teil eine Studie zu Gesamt-Malawi vorgestellt wird.

Der Machinga District ist 3771 km² groß und hat eine Bevölkerung von 369,614. Zum Vergleich: Der Landkreis Görlitz in Ostsachsen hat eine Fläche von 2106 km² und eine Bevölkerungszahl von 258.337. Es ist also eine sehr ländliche und nicht dicht besiedelte Region.

Die Studie mit dem Titel „Gaining insight into the Magnitude of and Factors Influencing Child Marriage and Teenage Pregnancy in Malawi” (zu Deutsch: Einblick gewinnen vom Ausmaß und den Einflussfaktoren von Kinder-Ehe und Teenager-Schwangerschaft in Malawi) kann auf der Seite des niederländischen Royal Tropical Institute heruntergeladen werden (HIER). Eine Allianz mehrerer niederländischer NGOs wollte in Zusammenarbeit  mit lokalen Partnern die Gründe und Folgen der im Titel genannten Phänomene untersuchen, um besser Empfehlungen für effektivere Interventionsstrategien zu geben, damit im Endeffekt Kinder-Ehen abgeschafft und Teenager-Schwangerschaften reduziert werden können. 1598 Frauen und Männer im Alter von 15-24 Jahren nahmen an der Studie teil.

60% gaben an, die Schule vorzeitig und ohne Abschluss verlassen zu haben. Als Hauptgrund wurden fehlende Finanzen für die Schulgebühren angegeben. Allerdings gaben unter den Frauen 14% eine Schwangerschaft und 12% Ehe als Gründe an. Bei den geführten Interviews und Gruppengesprächen gaben die Befragten an, dass Jungen und Mädchen sehr zeitig schon Geschlechtsverkehr haben. Teilweise ab 9 oder 10 Jahren. Initiationsriten, bei denen die Kinder in die Erwachsenwelt eingeführt werden, seien ein Grund dafür.

Bei den befragten Frauen, die zwischen 18-24 Jahren alt waren, waren 20% schon vor ihrem 18. Lebensjahr und 5% vor ihrem 15. Lebensjahr verheiratet. Die Mehrheit aller Befragten räumte aber ein, dass sie keine großen Vorteile in einer Kinder-Ehe sehe, dass aber eine Ehe mit Minderjährigen kein seltenes Bild ist. Auch war sich die Mehrheit der Befragten bewusst, dass es ein gesetzliches Mindestalter für Eheschließungen gibt. Interveniert wird vor allem durch Gemeindevorsteher, was 60% der Befragten angaben, durch NGOs (44%) oder Eltern (33%). Nur 13% gaben an, dass die Polizei in Fällen von Kinder-Ehen aktiv wird.

Ein Viertel gab an, dass sie nicht mitbestimmen durften wann und wen sie heirateten. Auch Gruppendruck unter Gleichaltrigen spielt eine Rolle beim zeitigen Heiraten.

12 Prozent der Frauen gab an, dass sie mit 15 Jahren schon ihr erstes Kind hatten. Rat wurde sich in den meisten Fällen bei Familienangehörigen gesucht. Der staatliche Gesundheitsdienst wurde nur selten als Anlaufstelle für Beratung und Unterstützung bei einer Schwangerschaft genannt.

Bei den Gesprächen wurde auch berichtet, dass, wenn ein minderjähriges Mädchen von einem erwachsenen Mann schwanger wird, dem Gesetz nach der Mann eigentlich festgenommen werden müsste. Aus den Berichten wurde klar, dass die Polizei bestechlich ist und die Familie häufig schnell eine Hochzeit für die schwangere Tochter organisiert. Weiterhin wurde berichtet, dass junge Schwangere häufig Komplikationen erleben, weil ihr Körper noch nicht voll entwickelt ist.  Obwohl die Mädchen die Möglichkeit haben, nach einer Schwangerschaft weiter zur Schule zu gehen, wird das laut Forschungsergebnissen nur selten genutzt.

Sexuelle Aufklärung erhalten die meisten über das Radio, ein Drittel auch über ihr Handy. Die häufigste Verhütungsmethode ist die Dreimonatsspritze. Dieses Verhütungsmittel ist auch das verfügbarste. Pille und Kondome stehen den meisten jungen Menschen auch zur Verfügung, obwohl aus der Studie nicht hervorgeht, ob diese Verhütungsmittel ihnen kostenfrei zur Verfügung stehen.

Die Studie stellt dar, dass NGOs eine wichtige Rolle bei der Aufklärung und Unterstützung einnehmen und dass das lokale Gesundheitsamt (District Social Welfare Office) sich bemüht, Kindern, die Missbrauch erlebt haben, zu helfen,  indem sie bei Gerichtsverhandlungen begleitet werden und psychisch betreut bzw. beraten werden. Lehrer füllen noch nicht die Schlüsselrolle aus, die ihnen bei der Aufklärungsarbeit zukommt. Wenn es zu religiösen Leitern – egal ob muslimisch oder christlich – oder auch den Dorf-Vorstehern („Chiefs“) kommt, dann gibt es solche, die die Augen verschließen und solche, die gegen die gängige Praxis angehen.

Die Studie empfiehlt eine bessere und intensivere Zusammenarbeit der einzelnen Verantwortungsträger, Organisationen und Einrichtungen. Sie spricht sich für ein gezieltes Training für Polizisten und Lehrer aus, sowie dafür, durch Aufklärungskampagnen weiter die Bewohner Malawis für das Thema zu sensibilisieren.

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