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Kondanani Reiserückblick – Teil 2

Vor einiger Zeit haben wir schonmal einen ersten Einblick in unsere Erlebnisse vor Ort gegeben. Da demnächst zwei Vereinsmitglieder wieder hinfliegen, ist es an der Zeit, den begonnenen Bericht noch zu vervollständigen. Der Text knüpft an den ersten Teil an, welchen man der Verständlichkeit halber schon gelesen haben sollte… 

Meine Reisebegleiterin und Kollegin aus Deutschland steht in einem kleinen Raum mit Tafel und Waschbecken sowie erhöhtem Tisch aus Metall. Im Schrank haben wir ein paar Reagenzgläser und Pipetten gefunden. Sie stehen jetzt gemeinsam mit ein paar kleinen Fläschchen und anderen Utensilien auf dem Metalltisch. Daneben liegen noch ein paar Sicherheitsbrillen. Die Schürzen haben wir aus dem Kunstraum besorgt. Heute steht Chemieunterricht auf dem Plan und die 5 High School Kids sind schon richtig aufgeregt: Mit einer richtigen Chemikerin haben sie noch nie ein Experiment gemacht. Ich übernehme zunächst die Rolle der Assistentin, werde aber schon bald nicht mehr gebraucht, da die Schüler so eifrig bei der Sache sind und ihr Bestes geben. Es werden nicht nur Flüssigkeiten gemischt, sondern auch Experimente mit Kartoffeln durchgeführt. Am Ende wird alles ordnungsgemäß dokumentiert.

Als ich die Schürzen nach den Experimenten wieder aufräume, werfe ich einen Blick in den mit farbenfrohen Werken der Kinder dekorierten Kunstraum:

In Deutschland begegne ich häufig der Vorstellung, dass die Waisenkinder „ja sooo dankbar sein müssten“ – für ihre Möglichkeiten, für die Ausbildung und ihre „besondere“ Unterkunft. Das finde ich sehr kurz gedacht. Diese Kinder haben in den meisten Fällen ihre Eltern verloren. Das darf man nicht vergessen. Wie viele „normale“ Kinder sind denn „sooo dankbar“, weil sie noch ihre Eltern haben? Die Kondanani-Kinder sind größtenteils dankbar, weil ihnen diese Haltung vorgelebt wird und es ihnen so beigebracht wird, aber sie sind eben auch „nur“ Kinder, die in dem Prozess der Erziehung stecken. So erlebt man sie auch mit unterschiedlichen Gemütsstimmungen und die Lehrer und Hausmütter müssen genauso wie Lehrer und Eltern in Deutschland ihrem Erziehungsauftrag nachkommen. Das geschieht in Liebe und nicht willkürlich. Das macht Kondanani authentisch und irgendwie „menschlich“, aber insgesamt machen die Kinder einen ausgeglichenen Eindruck auf mich. Auch in der Schule ist mir schon eine bemerkenswerte Konzentrationsfähigkeit begegnet, sodass ich mich gefragt habe, ob das etwas damit zu tun hat, dass die Kinder nur begrenzt Zugang zu Medien oder technischen Geräten haben, viel draußen sind und eine sehr zuckerarme Ernährung haben (Zucker und Schokolade sind Luxus). Es ist spekulativ und sicherlich ist das Thema rund um das Konzentrationsvermögen von Kindern komplexer, als dass man es mit ein paar Sätzen pauschalisieren könnte. Aber aufgefallen ist es mir schon.

Nach einer Woche mit langen Schultagen und vielen Hausaufgaben ist das Wochenende zum Entspannen da. Dazu dürfen die Kinder zu „El Paradiso“ – einem kleinen See mit viel Wiese drum herum, was zum Gelände des Kinderdorfs gehört. In Gruppen kommen sie zum Spielen und Baden aus ihren Häusern. 

Als Ausgleich nimmt uns Annie am Wochenende auf zwei Ausflüge mit. Am Samstag fahren wir Richtung Westen zur Kara O’mula Country Lodge am Mulanje Berg, welcher unweit der Grenze zu Mosambik liegt. Auf dem Weg fahren wir an zahlreichen Teeplantagen vorbei und finden das Bergmassiv, was sich da plötzlich vor einem erhebt, recht imposant. Am Sonntag fahren wir nach Zomba und essen auf dem Zomba Plateau im Sunbird Ku Chawe Hotel Mittag. Beeindruckend ist der Stausee, der sich in unmittelbarer Nähe befindet und an dem man wunderbar spazieren gehen kann. Als die Medien dieses Jahr über Malawi und Mosambik und die Folgen des Zyklons Idai berichteten, kam auch Zomba dabei immer mal wieder vor, da genau dieser Stausee durch den Zyklon übervoll war und eine Bedrohung für die Stadt Zomba mit ihren mehr als 100.000 Einwohnern darstellte.

Auf dem Plateau kann man auch gut eine Komponente der negativen Kreisläufe in Malawi beobachten: Die Menschen sammeln Holz und roden den Wald, weil sie in den Dörfern häufig keinen Strom haben bzw. sehr arm sind und ihr Essen über dem Feuer zubereiten. Gleichzeitig führt das großflächige Roden zu Bodenerosion, was wiederum bei starken Regenfällen zu Überflutungen und Erdrutschen führt. Das verstärkt dann die Armut bzw. behindert die Entwicklung. Das erklärt uns Annie, als wir an den vielen Menschen vorbeifahren, die ihr Brennholz auf dem Kopf den Berg hinabtragen.

 Blick vom Mulanje Berg

Abendstimmung am Stausee auf dem Zomba Plateau 

Nach nur 10 Tagen müssen wir leider berufsbedingt wieder die Rückreise antreten. Man kann aber schon so viel verraten: Die nächsten Besuche sind geplant und die Flüge zum Teil gebucht: 2 von uns fliegen im Sommer 2019 nach Malawi und werden vor allem in der Schule aushelfen (–> die Chemie-Lehrerin wird wieder Experimente durchführen 🙂 ). Drei weitere Personen von Kondanani Deutschland werden im Herbst 2019 hinfliegen und einigen lokalen Mitarbeitern zeigen, wie man ein (glückliches) Schwein (was nicht aus Massentierhaltung stammt) zu leckeren Würsten verarbeitet, sodass Kondanani nicht nur durch die Käseproduktion ein eigenes Einkommen erwirtschaften kann, sondern eventuell dadurch auch noch andere Wege finden kann. Über diese Aktion der Hilfe zur Selbsthilfe wird es aber noch gesonderte Blog-Einträge geben.

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