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Kondanani – Reiserückblick Teil 1

Februar 2018 – mit vier schweren Koffern stehe ich mit meiner Freundin am Bahnhof und warte auf den ICE, der uns zum Frankfurter Flughafen bringt. Ich bin neugierig, was mich erwarten wird. Zunächst liegt erst einmal eine lange Strecke vor uns, denn Direktflüge von Europa nach Malawi gibt es nicht. Für uns geht es erst von Frankfurt nach Addis Abeba, dann weiter nach Lilongwe, der Hauptstadt Malawis, und schließlich nach Blantyre, einer ebenfalls ziemlich großen Stadt im Süden Malawis, welche – gemessen an der Einwohnerzahl – laut Wikipedia ein wenig größer als Frankfurt am Main sein soll.

Nach vielen Stunden mit nur sehr wenig Schlaf erreichen wir Blantyre bei hochsommerlichen Temperaturen mit hoher Luftfeuchtigkeit. Es ist Regenzeit, auch wenn es gerade nicht regnet. Wir müssen als erstes ein Visum „kaufen“ – das braucht alles seine Zeit. TIA – This Is Africa. Einer nimmt unsere Dollar entgegen, der nächste schreibt unsere Daten aus dem Pass ab, der nächste klebt das Visum ein und setzt den Stempel drunter. Wir müssen angeben, wo wir wohnen werden, aber es reicht zu sagen, dass wir zu Kondanani wollen. Den Beamten ist das schon ein Begriff. Nachdem die Formalitäten erledigt sind, treffen wir vor dem Gebäude Cherie, Annies rechte Hand, die uns mit dem Auto abholt.

Nach etwa einer Stunde Fahrtzeit auf unterschiedlichsten Straßentypen kommen wir endlich am Ziel an. Wir können unser Gepäck im Gästehaus abstellen und lernen dann Annie in Person kennen. Sie hat gekocht – nicht nur für uns, sondern auch für ein paar andere Mitarbeiter, die wir bei einem gemütlichen Willkommens-Abendessen gleich mit kennenlernen dürfen. Insgesamt ist es ein sehr herzlicher Empfang und wir fühlen uns gleich wohl.

Am nächsten Tag können wir ausschlafen und danach das ganze Gelände kennenlernen. Dabei merken wir schon, was die Regenzeit so zu bieten hat. Da bringt ein Regenschirm leider gar nichts… 😉

Natürlich kann man Kondanani nicht erkunden ohne den im positiven Sinne neugierigen Kindern zu begegnen. Sie wollen uns gleich kennenlernen und alles über uns erfahren. Manche sind etwas schüchtern und andere sehr aufgeweckt. Alle Altersgruppen sind dabei und mir fällt es schwer bei den vielen Begegnungen, die Namen und Gesichter mir richtig zu merken. Aber alle sind sehr höflich und finden es eher amüsant, dass ich nochmal nachfragen muss, weil ich den Namen nicht richtig verstanden habe oder ihn schon wieder vergessen habe.

Auch ein Trip nach Blantyre ist für diesen Tag noch vorgesehen, damit wir Lebensmittel und eine neue SIM-Karte fürs Handy einkaufen können. Abends fallen wir müde unter den Moskitonetzen in unsere Betten. Wir sind schon gespannt auf den nächsten Morgen: Da steht dann die Schule auf dem Programm. 

 

Die Sonne geht schon zeitig auf und deswegen fällt das frühe Aufstehen nicht ganz so schwer. Wie ich es von Südafrika her kenne, beginnt die Schule mit einer Assembly, bei der alle Klassen in Reihen nebeneinander stehen und der noch sehr jungen, aber dynamischen Schulleiterin zuhören, die ihre Schüler über Neuigkeiten informiert und sie für den Tag motiviert. Danach gehen die Schüler klassenweise geordnet leise in ihre Klassenräume. Die Schulgebäude sind aus Backstein und die kleinen Fenster sind den ganzen Tag über angekippt. Auch zum Gang hin gibt es Fenster, die die ganze Zeit angekippt sind. Somit herrscht immer ein kleines Lüftchen, was dafür sorgt, dass sich das Gebäude nicht aufheizt, während draußen die Sonne in all ihrer Kraft erstrahlt und damit das nächste Gewitter herbeiruft. Man kann es also auch bis nachmittags um 3 in dem Gebäude ohne Probleme aushalten und ich blickte in ungläubige und belustigte Gesichter, als ich erzähle, dass es an deutschen Schulen im Sommer hitzefrei gibt. So etwas kennt man hier nicht. Auf der anderen Seite kennt man hier auch keinen Frontalunterricht. An staatlichen Schulen Malawis schon – da sitzen aber auch mal 70-80 Kinder in einem Raum und lernen bei weitem nicht so effektiv wie die Kondanani-Kinder.

Hier wird mit Homeschooling-Materialien gearbeitet, da Frontalunterricht mit der Gebäudearchitektur nur schwer möglich wäre. Jedes Kind hat seinen eigenen Schreibtisch und arbeitet in seinem eigenen Arbeitstempo an seinen Aufgaben. Zur Kommunikation mit den Lehrern nutzen die Kinder zwei Flaggen, die sie je nach Situation hissen: Die weiße Flagge für eine Frage oder wenn Hilfe gebraucht wird. Die malawische Flagge wird genutzt um zu zeigen, dass man fertig ist und seine Lösungen gern vergleichen bzw. kontrollieren möchte. Das funktioniert ziemlich gut. Die Kinder lernen von Anfang an, sich zu organisieren und zu strukturieren. Wir werden gleich mit in das System integriert und arbeiten mit Schülern, die bei ihren Aufgaben nicht weiterkommen. Matheaufgaben auf Englisch zu erklären ist mal eine neue Herausforderung. Hin und wieder darf ein Kind auch mal mit uns Lesen üben oder sich nochmal das Essay-Schreiben erklären lassen. Das fällt mir dann schon leichter. Die Schüler sind freundlich und höflich, aber sie sind trotzdem auch Kinder, die beispielsweise bei der Hofpause dann genauso laut und wild sind wie unsere Kinder es auch sind. Der zweite Tag bringt viele Eindrücke und Gedankenanstöße und für meine Freundin die Anfrage, ob sie sich vorstellen könnte, mit den Kindern Chemie-Experimente durchzuführen… 

Fortsetzung folgt…

 

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