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Wie alles begann…

Juli 2015. London, Vereinigtes Königreich.

Ich besuche mit meiner Schwester Freunde, die ich bei meinem Freiwilligenjahr in Südafrika kennengelernt habe. Wir bummeln so durch London und mir fällt ein, dass wir pünktlich zu Hause sein müssen, da wir meinen Freunden unsere Babysitterdienste als Dankeschön für die kostenlose Unterkunft angeboten haben. Da wir nur mit Handgepäck geflogen sind, war kein Platz mehr für ein schönes Buch. Also schauen wir nochmal schnell in einem Buchladen vorbei, bevor wir – nachdem die beiden süßen Mädchen eingeschlafen sind – den Abend auf dem Sofa verbringen.

Es ist selten für mich, dass ich einfach mal in einen Buchladen gehe und auf die Schnelle ein „gutes“ Buch finden will, was gerade zur Stimmung und Interessenlage passt. Ich schaue mich um und fange an zu stöbern. Mehrere Bücher kommen in die engere Auswahl, doch so richtig kann ich mich nicht entscheiden. Als dann meine Schwester mit Blick auf die Uhr etwas drängelt, beschließe ich, das gelbe „Afrika-Buch“ zu kaufen. „Mother of Malawi“ von Al Gibson. Ich bin etwas müde von den Fußmärschen durch die Metropole und will etwas Entspanntes lesen. Ein Buch über ein Kinderdorf in Afrika – das klingt nach leichter Kost und nach einem Happy End, zumal ich noch viele persönliche Bezüge zu diesem Kontinent habe. Also gekauft und mitgenommen.

Ich hätte nicht erwartet, dass mich die Lebensgeschichte von Annie Chikhwaza, der Gründerin des besagten Kinderdorfes, so packen würde. Innerhalb weniger Tage hatte ich das Buch gelesen und es ließ mich aufgewühlt und sehr beeindruckt zurück. Ich begann mich auf der Website zu den aktuellen Entwicklungen zu informieren und „likete“ es auf Facebook, um auf dem Laufenden zu bleiben. Meistens verfliegt die Begeisterung nach einem Buch oder Film nach ein paar Tagen oder spätestens Wochen wieder, doch dieses Projekt ließ mich nicht mehr los.

Zwei Jahre später beschloss ich dann, dass es Zeit war, mir selbst ein Bild von Kondanani vor Ort zu machen. Wollte ich doch nicht mit einer mediengemachten Vorstellung eines schönen Kinderdorfs irgendwo in Afrika leben. Also nahm ich Kontakt mit Annie auf, die mit über 70 Jahren immer noch voller Tatendrang und Leidenschaft für die Waisenkinder Malawis ist. Sie antwortete mir sehr freundlich auf meine E-Mail und lud mich ein, Kondanani zu besuchen, was ich gemeinsam mit einer Freundin dann im Februar 2018 auch tat. Ich war erstaunt und berührt, von der Effizienz, Nachhaltigkeit, aber auch Herzlichkeit, die dort herrscht. Als Lehrerin war ich beeindruckt von dem Bildungsniveau der Schüler, die mit Homeschooling-Materialien und gut ausgebildeten Lehrern ganz anders lernen als andere Gleichaltrige in Malawi oder auch in Deutschland. Diesen Kindern wird eine Möglichkeit gegeben, die sie wiederum befähigt, später etwas an die Gesellschaft zurückzugeben. Einzelne Kinder wurden auf Müllhalden gefunden und wieder aufgepäppelt. Diesen Kindern wurde ein liebevolles Zuhause mit 150 Geschwistern gegeben. Heute strahlen sie, auch wenn ihre Eltern an AIDS gestorben sind. In einer Welt, in der man Afrika fast nur mit Leid verbindet, sind die lächelnden Kinder eine wohltuende Oase.

Dass das Projekt sich größtenteils durch Spenden finanziert, erfährt man nebenbei und auch nur auf Nachfrage. Fördermittel gibt es in Malawi nicht. Mit keiner Silbe wird gebettelt oder um Spenden gebeten. Aber wenn man nach Zahlen fragt, dann bekommt man sie von einem genauen und gewissenhaften Buchhalter zugesendet. Das Projekt arbeitet sparsam, aber nicht oberflächlich. Es versucht Wege zu finden, um sich selbst zu versorgen, zum Beispiel durch die Produktion von Käse. Malawischen Mozarella- und Feta-Käse durfte ich selbst schon probieren. Absolut empfehlenswert – das zeigen auch die Verkaufszahlen vor Ort. Aber sie reichen nicht, um 150 Kindern Kleidung zu kaufen oder die Schulmaterialien zu bezahlen. Also haben wir einen Verein gegründet, der die hervorragende und beispielhafte Arbeit dort unterstützen soll. Wir wissen, dass das Geld dort sinnvoll eingesetzt wird und in etwas investiert wird, was sich schon seit vielen Jahren bewährt hat. Das zeigten mir nicht nur die lächelnden Mädchen auf dem Cover eines Buches, was ich mal auf die Schnelle in einem Londoner Buchladen gekauft habe.

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